Aufbauend auf dem seit 2016 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Langzeitvorhaben „Die Akten des Konzils von Ephesus 431. Übersetzung, Einleitung, Kommentierung und Register“, das derzeit in der neuen Reihe Acta Conciliorum Oecumenicorum Translationes des Verlags De Gruyter veröffentlicht wird, soll das Projekt über herkömmliche Buchpublikationen und Online-Ausgaben hinaus neue Wege der digitalen Erschließung umfangreicher vormoderner Quellencorpora erforschen und aufzeigen. Inhalt des Projekts sind die Akten der Reihe der sogenannten ökumenischen Konzilien, die mit dem Konzil von Nizäa 787 abgeschlossen wurde und deren Beschlüsse bis heute die dogmatische Grundlage fast aller christlicher Kirchen bilden. Trotz ihrer hohen Bedeutung, deren Wirkungsgeschichte die der meisten vormodernen Quellen übertreffen dürfte, sind die in griechischer, lateinischer und altsyrischer Sprache verfassten relevanten Texte für nicht hochspezialisierte Konzilsforschende bisher immer noch nur mit großen Schwierigkeiten zugänglich. Verfügbar ist die von Eduard Schwartz initiierte und in der Reihe Acta Conciliorum Oecumenicorum seit den 1920er Jahren nach und nach veröffentlichte originalsprachliche und gedruckt in vielen Bänden vorliegende Edition; deren Ordnung ist heutigen Leserinnen und Lesern aber nicht immer einfach verständlich und auch für philologisch gut ausgebildete Forschende oft nur schwer zu erschließen. Angesichts des Umfangs – die Textmenge macht abzüglich der einzukalkulierenden Mehrfachüberlieferung mancher Dokumente rund eine Million Wörter aus – und der großen Diversität des Materials verspricht eine Kombination aus traditioneller Erschließung in Form von Übersetzung und Kommentar und innovativen, KI-gestützten Methoden unter Ein¬satz eines speziell adaptierten Large Language Models (LLM) völlig neue Erkenntnisse. Das Corpus enthält nämlich nicht nur philosophie- und theologiegeschichtlich bedeutsame Fach¬termini, deren Hintergründe und Bedeutungsentwicklungen in unkommentierten Übersetzungen regelmäßig untergehen, sondern auch wertvolle prosopographische Daten und Geoinformationen, die bislang nicht systematisch ausgewertet werden konnten. Insgesamt liegt hier ein reichhaltiges Material vor, das darauf wartet, von der Netzwerkforschung oder anderen Arten des Textminings erschlossen werden zu können. Das Projekt soll diese Quellen in Form von Übersetzung und Kommentierung erschließen, aber darüber hinaus auch erstmalig für solche Formen des Textmining zugänglich machen und die generierten Daten gemäß der FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) der Text Encoding Initiative zur Verfügung stellen.
Die Entscheidungen der sieben Ökumenischen Konzilien in christologischen und anderen Fragen bilden das gemeinsame Erbe aller großen christlichen Kirchen, weshalb dem Projekt weltweit eine hohe Aufmerksamkeit nicht nur in der scientific community, sondern auch in einer breiten Öffentlichkeit zuteilwerden wird, wie dies bereits jetzt am Vorgängerprojekt zum Konzil von Ephesus erkennbar ist.
Das Projekt verfolgt einen innovativen Ansatz für die Erschließung dieser komplexen Quellen. Angesichts der bei den Mitarbeitenden versammelten philologischen Kompetenz soll mit den Quellentexten eine Stand-Alone-KI trainiert werden, die interessierten Nutzerinnen und Nutzer einen Open-Access-Datenraum mit xml-codierten und nach unterschiedlichen Filtern auswertbaren Ergebnissen zugänglich machen wird. Der auf traditionelle Weise (beim Verlag de Gruyter in der eigens neu aufgelegten Reihe ACO deutsch) publizierte Kommentar mit Übersetzung wird damit für viele Generationen auch mit Fragen erschließbar, die heute vielleicht noch gar nicht absehbar sind.

Durch webbasierte Module werden die erhobenen Geo- und Personendaten außerdem durch datenbankgenerierte Suchmodule sowie durch ein eigenes interaktives Kartenwerk zugänglich, wie es am Mainzer Forschungsbereich bereits für das Synodicon Orientale erfolgreich praktiziert wird.
a) Übersetzung und Kommentar bei de Gruyter
b) „ACO-Perspektiven. Studien zu den ökumenischen Konzilien“ (geplant): Open-Access-Jahrbuch mit regelmäßiger Veröffentlichung der methodisch relevanten Ergebnisse, inklusive Updates über den Projektfortschritt und herausragende Einzelergebnisse